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Liebe Gemeinde,

wir sind nun in der Mitte der Fastenzeit angelangt, in der wir ja nicht nur auf verschiedene Speisen, Getränke und Konsum verzichten wollen um des Verzichtes Willen, sondern um uns von etwas frei zu machen. Diese Zeit ist uns geschenkt, damit wir uns beschenken lassen. Es ist eigentlich eine Zeit, in der wir uns freuen dürfen.

Der Sonntag heute wird „Laetare“ genannt – „Freue dich“. Dies ist der Anfang des Verses, mit dem man die hl. Messe eröffnen könnte: „Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.“ (Jes 66,10-11) Gott, der barmherzige Vater, will uns in unserer Unzulänglichkeit trösten. Er will uns nicht für unsere Fehler bestrafen, sondern er will uns aufrichten und uns helfen.

Bevor es Navis gab, haben viele Menschen (meist Männer) sich lieber verfahren, als anzuhalten und nach dem Weg zu fragen und sich helfen zu lassen. In der Fastenzeit gibt es in unseren Gemeinden viele Möglichkeiten, anzuhalten, innezuhalten, mal zu schauen: Wo bin ich eigentlich? Bin ich damit zufrieden? Oder doch nicht? Und wenn ich Gott frage: Wird er damit zufrieden sein?

Die Möglichkeiten, innezuhalten, sind vielfältig. Jeden Abend kann ich das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit halten (nach Ignatius von Loyola). Zunächst in Dankbarkeit auf den Tag zurückschauen: Was habe ich an Gutem erfahren? Wo konnte ich Gutes tun? Was hatte ich mir vorgenommen und was ist davon gelungen und was nicht? Für was muss ich mich entschuldigen?

Oder in die Kirche gehen, um dort die Stille zu genießen, sich ganz auf Gott auszurichten, der sogar im Tabernakel gegenwärtig ist, und Gott alles hinzuhalten, wovon das Herz voll ist.

Gerade die Bußandacht will uns helfen, auf unser Leben zu schauen. Dadurch sollen wir ja nicht klein gemacht werden, um vor Scham in die Erde zu versinken, sondern aufgerichtet werden. Wenn von Außen Anregungen gegeben werden, auf unser Leben zu schauen, hilft es, auch auf die Stellen zu schauen, die wir im stillen Kämmerlein lieber ausgeblendet lassen. Wir dürfen uns freuen, dass Gott uns dabei führen will. Auch durch das Gespräch mit einem Priester im Anschluss an die Andacht. Dieses Gespräch kann ja sogar ein Beichtgespräch sein, bei dem uns am Ende klar und deutlich von Gott zugesagt wird: „So spreche ich dich los von deinen Sünden“.

Gott hält Ausschau nach uns. Und wenn wir umkehren, läuft er uns entgegen und nimmt uns in seine Arme. „Laetare“ – „Freue dich“.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen fürs Innehalten
Ihr
Pfarrvikar Wolfgang Biedaßek

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